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Die Arbeitslosenhilfe auf dem Kirchentag

Ein bunter Umzug, Fahrräder und Diskussionen zur Armut

Diakonie und Neue Arbeit nutzten den Kirchentag 2015 in Stuttgart, um auf ihre Themen aufmerksam zu machen. Erfreulich war, dass auch die Prominenz für die Arbeitshilfe interessierte, so etwa Diakoniepräsident Ulrich Lilie, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg, und Kirchentagspräsident Andreas Barner.

Dass sich die Neue Arbeit so vielfältig präsentieren konnte, ist auch dem Engagement vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken. Viel Aufsehen erregte etwa die Riesen-Vuvuzela, die bei der Diakonieparade mitgeführt wurde und die Aufschrift trug: „Wir geben Arbeitslosen eine Stimme.“ Sie war von Neuer Arbeit und Arbeitshilfe gestaltet worden.

Auch auf dem Markt der „Möglichkeiten“ war die Neue Arbeit vertreten. Besonders beliebt war dort das Glücksrad mit dem Titel „Arbeit statt Hartz IV“. An ihm konnte man symbolisch erfahren, welche Schwierigkeiten Langzeitarbeitslose haben, eine Beschäftigung zu finden – und wie sehr der Zufall dabei eine Rolle spielt. Einigen Besucherinnen und Besuchern aus Stuttgart konnte auch konkret weitergeholfen werden.

Wichtige inhaltliche Impulse gab die Veranstaltung „20 Jahre Vesperkirche – (k)ein Grund zum Feiern“. Deutlich wurde dabei, dass die Vesperkirche für viele arme Menschen eine echte Unterbrechung vom Alltag und ein wichtiger Ort für Begegnungen zwischen den Schichten ist. Andererseits besteht so die Gefahr, dass die Politik sich nicht mehr um das Thema Armut kümmert.

Wer „raus“ ist, zieht sich zurück

Wie wichtig Arbeit für das Selbstbewusstsein ist, machte Jan Frier deutlich. Frier musste seinen Beruf als Gärtner aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. „550 Bewerbungen habe ich geschrieben, ohne Erfolg. Das kratzt am Selbstbewusstsein. Was man auch gemacht hat, es ist nichts mehr wert. Man kann nicht mithalten und zieht sich zurück.“ Frier ist inzwischen bei klinik.tv (Neue Arbeit) beschäftigt und hat positive Erfahrungen gemacht: „Ich wünsche mir, dass es auch in Zukunft Sozialunternehmen gibt, denn sie sind Mittler zwischen Arbeitslosen und dem ersten Arbeitsmarkt. Und die halten einen auch einfach fit.“

Marc Hentschke, Geschäftsführer der Neuen Arbeit, wies darauf hin, dass die Zahl von 2,7 Millionen Arbeitslosen nicht die Realität abbildet. „Rechnet man die Bezieher von Transferleistungen mit ein, sind es 7,1 Millionen.“ Eine Alternative wäre „Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren“. Diakoniepräsident Ulrich Lilie betonte, dass die Spaltung in der Gesellschaft schon ganz früh beginne, „Oft haben schon die Kinder im Kindergarten nicht die Fertigkeiten, die man braucht. Wenn sie dann in der Schule Förderunterricht erhalten, haben sie den Stempel weg.“ Die materielle Ausstattung sei immer noch entscheidend, so Lilie. Die Diakonie brauche einen langen Atem und müsse mit anderen zusammenarbeiten, damit sich etwas zu „Gerechtigkeit in diesem Land verändert.“
Die Fahrrad-Service-Stationen der Neuen Arbeit boten am Kirchentag Leihräder an, das Kulturwerk lieferte Essen. Außerdem gab es eine Ausstellung zu „AQTA“. Das Projekt, an dem die Neue Arbeit beteiligt ist, bietet alleinerziehenden Frauen eine Ausbildung in Teilzeit.